Von der Seele Schreiben

Im Juli habe ich mein Seminar „Von der Seele Schreiben“ geleitet. Immer wieder bin ich selbst fasziniert, was für Texte dabei entstehen. Besonders wenn die Kraft sprachlicher Bilder genutzt wird, um unklare Gefühle anschaulich zu machen. Eine Teilnehmerin schrieb zu ihrem vorherrschenden Gefühl der Unruhe:

„Dieses Gefühl der Unruhe habe ich nicht immer, meistens dann, wenn etwas in mir nicht stimmig ist. Es ist die Lava meiner Gefühle, die nach außen drängen. Und finde ich kein Ventil, kommt es zum Vulkanausbruch. Ich reagiere viel zu emotional. Es kommt also zu einer Eruption, wie bei dem Vulkan Krafla. Und in seinem Innersten brodelt es immer noch!“ (Claudia G.)

Noch fassbarer für die Klientin und ausdrucksstärker für einen Leser oder Zuhörer wurde das Gefühl und die damit verbundene Lebenssituation durch Verdichten der Sprache:

„Eine Kraft
die nach außen drängt:
Sie wirkt immer noch:
In zahlreichen Kratern
brodelt das Wasser!

Die Unruhe in mir:
Sie ist ein Signal!
Meine Gefühle sind die
Vulkanlava, die zu
kraftvoll ist,
um nicht auszubrechen.
(…)
Es kommt zu einer Eruption!
Der Vulkan ist immer in

Bewegung –
Ich auch!“
(Claudia G.)

Und da Sprache nicht nur von Bildern sondern auch von Klang und Rhythmus lebt, habe ich die TeilnehmerInnen zusätzlich aufgefordert, ihre Texte nicht als fließende Prosatexte aufzuschreiben, sondern mit Zeilensprüngen, Alleinstellung von Wörtern, Wiederholungen, Stropheneinteilungen und Satzzeichen zu spielen – schon entsteht ein poetischer Text wie oben, moderne reimlose Lyrik, die durchaus ihre innere Struktur hat.

Haben Sie Lust bekommen, auch mal zu „ver-dichten“? Dann nehmen Sie Ihre Tagebuch-Aufzeichnungen doch mal als „Steinbruch“ und vergessen Sie dabei die Bilder nicht!

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